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    Eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern bei der Verordnung von Medikamenten erhöht die Arzneimitteltherapiesicherheit. © BillionPhotos.com/Adobe.Stock

     

Ärzte und Apotheker erproben Zusammenarbeit beim elektronischen Medikationsplan

fzm, Stuttgart, September 2019 – Wenn Patienten dauerhaft mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen, kann es zu unerwünschten und schädlichen Wechselwirkungen kommen. Seit 2016 haben deshalb alle, die mehr als drei ärztlich verordnete Arzneien einnehmen, einen gesetzlichen Anspruch auf einen Medikationsplan. Ziel ist es, die Arzneimitteltherapiesicherheit, also die sichere Anwendung von Arzneimitteln über die reinen Anwendungs- beziehungsweise Einnahmeanweisungen hinaus, zu erhöhen. Dafür ist es wichtig, dass Ärzte und Apotheker bei der Verordnung von Medikamenten enger zusammenarbeiten. Ein von der Bundesregierung gefördertes Projekt hat untersucht, ob die Bearbeitung eines elektronischen Medikationsplans durch beide Berufsgruppen machbar und zielführend ist. Laut einer Untersuchung in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2019) bewerteten beide Seiten die Zusammenarbeit als positiv und wichtig für die Qualität eines Medikationsplans.

Seit Oktober 2016 haben Krankenversicherte, die länger als 28 Tage mehr als drei verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen, Anspruch auf einen Medikationsplan. Darin legt der Arzt fest, welche Medikamente der Patient erhalten soll. Der Apotheker überprüft dann in einer Medikationsanalyse, ob die einzelnen Wirkstoffe sich vertragen. Bisher existiert der Medikationsplan nur auf dem Papier. Der Patient erhält ihn vom Arzt und kann ihn dann beim Apotheker vorzeigen, was derzeit selten geschieht. Die Zustimmung des Patienten vorausgesetzt, sollen Arzt und Apotheker Daten künftig elektronisch austauschen können. Sowohl Ärzte als auch die Apotheker prüfen die Gesamtmedikation nach pharmazeutischen und medizinischen Gesichtspunkten auf mögliche Risiken und tauschen sich bei Bedarf dazu aus.

In der PRIMA-Studie („Primärsystem-Integration des Medikationsplans mit Akzeptanzuntersuchung“) haben in Sachsen und Thüringen zwölf Apotheken und Arztpraxen die neuen elektronischen Medikationspläne getestet. Wie Dr. Christiane Eickhoff von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) berichtet, gab es anfangs vor allem technische Probleme. Da Arzt und Apotheker verschiedene Software benutzen, sahen die Medikationspläne auf ihren Bildschirmen unterschiedlich aus. Manchmal war nur eine Zeile verrutscht, ein anderes Mal fehlte ein Eingabefeld oder der Handelsname des Medikaments. Gravierender war laut Dr. Eickhoff, wenn die gleiche Dosierung unterschiedlich angezeigt wurde. So kam es beispielsweise vor, dass der Arzt 0,1 mg eines Schilddrüsenhormons verordnete, auf dem Bildschirm des Apothekers aber 100µg erschienen. Die Unterschiede ergaben sich auch durch den Zugriff auf unterschiedliche Arzneimitteldatenbanken.

Diese Anfangsprobleme konnten nach Auskunft von Dr. Eickhoff inzwischen beseitigt werden. In einer abschließenden Befragung äußerten sich Ärzte und Apotheker überwiegend positiv. Insgesamt 60 Prozent stimmten den Abläufen insgesamt zu, berichtet Dr. Eickhoff. Etwa 80 Prozent der Ärzte und 63 Prozent der Apotheker waren mit den ihnen zugedachten Aufgaben zufrieden. Die meisten Ärzte waren damit einverstanden, dass die Apotheker ihre Verordnungen vor dem Hintergrund der Gesamtmedikation der Patienten noch einmal abschließend prüfen.

Beide Seiten betrachteten den elektronischen Medikationsplan als Chance für eine bessere fachliche Zusammenarbeit: 70 Prozent der Ärzte erklärten, sie würden durch die Zusammenarbeit mit dem Apotheker einen besseren Überblick über die Gesamtmedikation des Patienten erhalten, die die Selbstmedikation einschließt. 88 Prozent der Apotheker freuten sich über einen Wissenszuwachs zum Gesundheitszustand der Patienten. Alle befragten Ärzte und Apotheker waren am Ende der Ansicht, dass ihre Zusammenarbeit die Qualität des Medikationsplans verbessern kann. Da es im Behandlungsalltag sehr häufig sei, dass Patienten ihren ausgedruckten Medikationsplan weder bei Arzt noch beim Apotheker vorzeigten, böte die elektronische Variante des Medikationsplans große Vorteile und Chancen.

Das Modellvorhaben ARMIN, in welchen dieses Pilotprojekt durchgeführt wurde, soll noch mindestens bis März 2022 fortgeführt werden. Wann der elektronische Medikationsplan eingeführt wird, steht noch nicht fest.

C. Eickhoff et al.:
Das Projekt PRIMA – Elektronische Erstellung und Aktualisierung von Medikationsplänen als gemeinsame Aufgabe von Ärzten und Apothekern
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2019; 144 (18); e114-e120

 

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