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    Etwa zehn Millionen Kinder kommen jährlich zu früh auf die Welt. In manchen Fällen könnte die Gabe des Hormons Progesteron einen zu frühen Start ins Leben verhindern. © Mark/ Adobe.Stock

     

Welche Frauen profitieren von Progesteron zur Prävention einer Frühgeburt?

fzm, Stuttgart, September 2019 – Zehn Millionen Kinder kommen jährlich zu früh auf die Welt. Ein Zehntel dieser Babys verstirbt im ersten Lebensmonat. Ob und in welchen Fällen das Hormon Progesteron eine Frühgeburt verhindern kann, ist unter Medizinern umstritten. Experten haben vorliegende Studien jetzt analysiert und ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Geburtshilfe und Frauenheilkunde“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2019) publiziert. Sie stellen in ihrem Artikel Auswahlkriterien vor, mit denen Ärzte diejenigen Schwangeren identifizieren können, die von einer Hormongabe profitieren.

Eine Schwangerschaft dauert in der Regel 40 Wochen. Von einer Frühgeburt sprechen Gynäkologen, wenn ein Baby vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche (SSW) zur Welt kommt. Weltweit enden etwa elf Prozent aller Schwangerschaften vor diesem Zeitpunkt. „In den Industrieländern überleben mehr als 90 Prozent der Kinder, die zwischen der 28. und 32. SSW geboren werden, in den Entwicklungsländern sind es jedoch nur 30 Prozent“, erläutern Privatdozent Dr. med. Ruben Kuon und Pauline Voß von der Frauenklinik des Universitätsklinikums Heidelberg. Gemeinsam mit Professor Dr. med. Werner Rath von der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel haben sie anhand der aktuellen Studienlage überprüft, wann die Gabe des Hormons Progesteron bei einer drohenden Frühgeburt sinnvoll ist.

Frühgeburten können beispielsweise durch eine Anomalie der Gebärmutter oder durch eine Schwäche und damit vorzeitige Verkürzung des Gebärmutterhalses verursacht werden. Das Risiko für eine Frühgeburt ist zudem erhöht, wenn eine vorhergehende Schwangerschaft vorzeitig endete oder wenn die Länge des Gebärmutterhalses vor der 24. SSW 25mm oder weniger beträgt. Eine in diversen Studien diskutierte Möglichkeit zur Prävention einer Frühgeburt ist die Gabe des Hormons Progesteron oder dessen synthetische Varianten. Diese sogenannten Progestogene können den Abbau des Kollagengehaltes des Gebärmutterhalses verlangsamen und diesen dadurch stabilisieren. Zudem werden möglicherweise die Kontraktionen der Gebärmutter gehemmt.

Die bislang vorliegenden Studien zum Einsatz von Progesteron kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, daher wird die Wirksamkeit von Experten kontrovers diskutiert. Für ihre Arbeit haben die Autoren den Fokus auf die Literatur zwischen 1956 und 2018 gelegt. Dabei haben sie sich auf die Gabe des Hormons bei vorangegangener Frühgeburt und bei vorzeitiger Verkürzung des Gebärmutterhalses konzentriert.

Anhand der aktuellen Studienlage können sie die vaginale Anwendung des Hormons für folgende Patientinnen empfehlen: Bei Frauen, die mit nur einem Kind schwanger sind und deren Gebärmutterhals vor der 24. SSW 25mm oder weniger beträgt, reduziert die vaginale Gabe von Progesteron das Risiko für eine Frühgeburt und verbessert die gesundheitliche Entwicklung des Kindes. Von Vorteil ist die Anwendung auch bei Frauen mit Zwillingsschwangerschaft bei verkürztem Gebärmutterhals vor der 24. SSW. Bislang gibt es auch hier keine Hinweise auf nachteilige Wirkungen von Progesteron auf die gesundheitliche Entwicklung der Kinder. Für Frauen, die schon einmal eine Frühgeburt gehabt haben, können die Autoren hingegen keine generelle Empfehlung aussprechen.

R.-J. Kuon, P. Voß, W. Rath:
Progesteron zur Prävention der Frühgeburt – ein Update evidenzbasierter Indikationen
Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2019; 79 (8); S.1–10

 

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