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    Das Geburtsgewicht eines Babys ist prägend: Kinder mit 4000 Gramm und mehr neigen später öfter zu Übergewicht als leichtere Altersgenossen. © Maria Sbytova/Adobe.Stock

     

Übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft begünstigt – mehr als andere Risikofaktoren – hohes Geburtsgewicht des Kindes

fzm, Stuttgart, September 2019 – Ein Geburtsgewicht von über 4000 Gramm erhöht die Gefahr für Komplikationen während der Geburt und für zukünftige gesundheitliche Probleme der Kinder. Derzeit gelten eine Fettleibigkeit der Mutter vor der Geburt, eine übermäßige Gewichtszunahme während der Schwangerschaft sowie ein Schwangerschaftsdiabetes als Risikofaktoren für ein erhöhtes Geburtsgewicht. Wissenschaftlerinnen der Klinik für Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Jena (UKJ) haben untersucht, welcher dieser Faktoren vorrangig dafür verantwortlich ist. In der Fachzeitschrift „Geburtshilfe und Frauenheilkunde“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2019) kommen sie zu dem Schluss, dass sich vor allem die Kilos, die normal- und leicht übergewichtige Frauen in der Schwangerschaft zunehmen, beim Gewicht der Kinder bemerkbar machen. Die Autoren empfehlen, dass eine Beratung über die empfohlene Gewichtszunahme für Schwangere Pflicht sein sollte, um das Risiko für zu schwere Kinder zu reduzieren.

In Deutschland liegt das Durchschnittsgewicht von Neugeborenen zwischen 3200 und 3600 Gramm. Die Körpergröße oder das Gewicht eines Kindes geben Ärzte meist in Perzentilen an. Das bedeutet, dass die Werte in Bezug zu denen der Altersgenossen gesetzt werden. Liegt das Geburtsgewicht eines Neugeborenen oberhalb der 90. Perzentile, bedeutet dies, dass weniger als zehn Prozent der Kinder seines Alters und Geschlechts schwerer sind und mehr als 90 Prozent leichter. Diese Babys gelten als „Large-for-Gestational-Age“ (LGA). Das entspricht in etwa einem Gewicht von 4000 bis 4100 Gramm am errechneten Entbindungstermin. Wie Studien zeigen, neigen sie im weiteren Lebensverlauf mehr zu Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Problemen als normalgewichtige Babys. „Wir wollten herausfinden, welcher der bekannten Faktoren das Risiko für einen LGA-Säugling am stärksten fördert“, erklärt Dr. med. Friederike Weschenfelder von der Klinik für Geburtsmedizin am UKJ. Gemeinsam mit Kolleginnen hat sie deshalb 12 701 Termingeburten zwischen 2003 und 2014 aus dem Geburtsregister der Klinik analysiert.

Bei den Schwangeren differenzierten sie gemäß Weltgesundheitsorganisation (WHO) zwischen Untergewicht (BMI weniger als 18,5 kg/m2), Normalgewicht (BMI 18,5–24,9 kg/m2), leichtem Übergewicht (BMI 25–29,9 kg/m2) und Fettleibigkeit (BMI › 30 kg/m2). Bezüglich der Gewichtszunahme während der Schwangerschaft orientierten sie sich an den Empfehlungen des Institut of Medicine (IOM). Diese sagen, dass untergewichtige Frauen nicht mehr als 12,5–18 kg, normalgewichtige 11,5–16 kg, übergewichtige 7–11,5 kg und fettleibige 5–9 kg zunehmen sollten.

„Wie wir herausgefunden haben, ist bei nicht fettleibigen Frauen eine übermäßige Gewichtszunahme während der Schwangerschaft der größte Risikofaktor für zu schwere Neugeborene“, erklären die Fachärzte. „Bleibt dagegen das Gewicht während der Schwangerschaft im Rahmen der IOM-Empfehlung, reduziert sich das Risiko für LGA-Säuglinge um zwanzig Prozent.“ Tatsächlich steigt das Risiko für ein LGA-Baby mit jedem Kilo, das die vom IOM empfohlene Gewichtszunahme übersteigt, um fast sieben Prozent. Am auffälligsten ist diese Beobachtung bei Normalgewichtigen und Schwangeren mit leichtem Übergewicht.

Laut den Studienautoren hatten in der Gruppe der normal- und etwas übergewichtigen Frauen fast vierzig Prozent zu viel Gewicht zugelegt. „Wir empfehlen gerade für normalgewichtige und leicht übergewichtige Schwangere eine verpflichtende Beratung mit entsprechenden Ernährungs- oder Bewegungsempfehlungen, um das gesundheitliche Risiko für ihre Kinder zu reduzieren“, betont PD Dr. med. Tanja Groten. Sie leitet das Kompetenzzentrum für Diabetes und Schwangerschaft an der Klinik für Geburtsmedizin in Jena und hat die Studie mit verantwortet. Jedes verhinderte zusätzliche Kilo an Gewicht reduziere das Risiko für LGA um mehr als fünf Prozent.

F. Weschenfelder et al.:
Gewichtszunahme in der Schwangerschaft beeinflusst das Risiko besonders von nicht adipösen Müttern, hypertrophe Neugeborene zu gebären
Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2019; eFirst erschienen am 3.9.2019

 

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